Ehrenamt im Justizvollzug

Ehrenamt im Vollzug
Vollzugshelfer_in, Anstaltsbeirat

Aus § 2  des Strafvollzugsgesetzes ergeben sich die Aufgaben des Justizvollzuges und seiner Mitarbeiter_innen gegenüber den Gefangenen und der Allgemeinheit. Die Gefangenen sollen befähigt werden, künftig in sozialer Verantwortung ein Leben ohne Straftaten zu führen. Während des Freiheitsentzuges ist der Allgemeinheit Schutz vor weiteren Straftaten zu gewähren. Was mit "im Namen des Volkes" verurteilten Menschen während der Zeit der Inhaftierung geschieht, ist auch eine wichtige Frage der öffentlichen Verantwortung.

Laien wird im Strafvollzugsgesetz ausdrücklich (§ 162 - § 165) eine Mitwirkung bei der Gestaltung des Justizvollzuges eingeräumt, um die die Gesellschaft resp. Öffentlichkeit einzubeziehen.

In der Thüringer Justiz engagieren sich derzeit rund 25.000 Männer und Frauen ehrenamtlich. Als Schöffen, Schiedsleute, Vollzugshelfer/in oder rechtliche/r Betreuer/in schaffen sie Werte, die nicht zu beziffern sind. Die ehrenamtlich Tätigen tragen zur Rechtssicherheit bei, sorgen für Vertrauen in die Justiz und engagieren sich für Menschen, die Unterstützung benötigen. Ihre Leistung ist unentbehrlich und wertvoll.

Rund 100 Männer und Frauen unterstützen die Justizvollzugseinrichtungen als freiwillige Vollzugshelfer_innen und  Anstaltsbeiräte bei der Betreuung und Resozialisierung der Gefangenen.

Vollzugshelfer_innen

Ehrenamtliche Vollzugshelfer_innen helfen mit, die wesentliche Gestaltungsmaxime des Strafvollzuges um­zu­setzen, das heißt möglichen schädlichen Folgen des Frei­heits­entzuges entgegenzuwirken und die Ge­fangenen zu unterstützen, sich auf das Leben in Freiheit ohne Straftaten vorzubereiten. 

So wirken sie bei Frei­zeitmaßnahmen (z. B. Sucht- & Schuldnerberatung, mu­si­kalische und künstlerische Angebote, Anti­ag­gres­sions­training), Familienseminaren und Gesprächs­runden für Gefangene aber auch in der Einzel­be­treuung während der Haftzeit mit.

Und die ehrenamtlichen Vollzugshelfer_innen kommen auch in Vorbereitung der Haftentlassung sowie in der Zeit unmittelbar nach der Entlassung zum Einsatz. Insbesondere für Gefangene, die wenig oder keinen Kon­takt zu ihrer Familie haben oder keinen Besuch bekommen, sind sie wichtige persönliche Ansprechpartner.

Als Vollzugeshelfer_in kann sich jede Frau oder jeder Mann ab dem vollendeten 21. Lebensjahr bewerben, die bzw. der die per­­­­sönlichen Eignungen und Voraussetzungen mitbringt. Die Entscheidung darüber trifft stets die jeweilige Anstaltsleitung.

Das ehrenamtliche Engagement im Vollzug stellt an die Person des Ehren­amt­li­chen besondere Anforderungen. Sie muss sich auch aus Gründen der besonderen Sicherheitsbelange durch besondere Zuverlässigkeit auszeichnen und sollte Erfahrungen aus der Sozialarbeit mitbringen.

Der Justizvollzug ist kein leichtes Einsatzgebiet. Sie sollten möglichst

  • besonnen und ausgeglichen sein
  • Geduld mitbringen und eine gute Zuhörerin, ein guter Zuhörer sein
  • ein_e aufgeschlossene_r Gesprächspartner_in sein und Freude im Umgang mit Menschen haben
  • eine gute Allgemeinbildung besitzen, denn Sie werden mit vielen Fragen konfrontiert
  • fähig sein, sich von der sachlichen und emotionalen Lage eines anderen Menschen klar abzugrenzen, d.h. eine ausreichende Distanz wahren zu können.

Was können Sie tun?

Einzelbetreuung

Ihre Betreuung wird sich im Regelfall auf eine einzelne Person beziehen. Das kann regelmäßige Besuche bedeuten, Begleitung bei Ausgängen oder persönliche Hilfestellungen, z.B. bei der Suche nach einem Arbeitsplatz für die Zeit nach der Entlassung. Die Inhaftierten benötigen eine Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner, die oder der ihnen zuhört, sie akzeptiert und auf ihre Probleme eingeht. Erfahrungsgemäß beginnt der Kontakt zunächst meist locker, mit der Zeit werden die Gespräche intensiver und Probleme werden angesprochen. Neben persönlichen Fragen der Gefangenen wird auch die Situation außerhalb der Anstalt zunehmend zur Sprache kommen.

Gruppenarbeit

Vielleicht haben Sie aber auch bereits Erfahrung in der Gruppenarbeit und würden gerne mit anderen ehrenamtlichen Vollzugshelfer_innen oder auch mit den Fachdiensten der Anstalt tätig werden. Grundkenntnisse in der Gesprächsführung sind dabei hilfreich.

Freizeitgruppen

Sie können sich aber auch in Kreativgruppen, Sportgruppen, Theater oder anderen Freizeitaktivitäten der Gefangenen einbringen. Vielleicht haben Sie Stärken auf einem Gebiet, von dem Sie glauben, dass es für die Betreuung der Inhaftierten von Bedeutung sein kann - dann wäre hier ein gutes Betätigungsfeld.

Entlassenenhilfe

Einzel- und Gruppenarbeit gibt es auch mit dem Schwerpunkt

Entlassenenhilfe, d.h. Vorbereitung auf die Entlassung oder aber auch begleitende Betreuung in der ersten Zeit in der wiedergewonnenen Freiheit, wo bekanntlich sehr viele Schwierigkeiten auftauchen.

 

Wolfhard Stephan
Olympiasieger Dieter Baumann mit Vollzugshelfer und Rennsteigläufer Wolfhard Stephan

Unser ehrenamtlicher Vollzugshelfer und Rennsteigläufer Wolfhard Stephan trainiert bereits seit 2007 die Laufgruppe der Jugendstrafanstalt Ichtershausen. Die Laufgruppe hat bereits mehrmals an dem Laufprojekt von Olympiasieger Dieter Baumann "Jugend bewegt sich über Grenzen" teilgenommen und konnte ihre Leistung jedes Mal steigern.

Rüdiger Schnuphase
Justizminister Poppenhäger mit Vollzugshelfer Rüdiger Schnuphase beim Fußballturnier in der JSA Ichtershausen

Seit über zwei Jahren bietet der ehemalige Fußballnationalspieler Rüdiger Schnuphase in der Jugendstrafanstalt Ichtershausen am Wochenende ein Fußballtraining an. Anfangs trainierte er eine Mannschaft jugendlicher Strafgefangener, inzwischen sind es zwei. Rüdiger Schnuphase ist längst nicht mehr nur Trainer, sondern für die jungen Männer ein wichtiger Ansprechpartner und Vorbild.

Anstaltsbeirat - Transparenz durch öffentliche Mitarbeit

Der Anstaltsbeirat unterstützt die Anstaltsleitung als unabhängiges, nicht weisungsgebundenes Gremium bei der Erfüllung ihrer Aufgaben, insbesondere durch Kontakt zu Organisationen und anderen Behörden sowie durch Anregungen und Empfehlungen zur Verbesserung des Vollzuges. Eine weitere wesentliche Aufgabe der Beiräte besteht darin, an der Planung und Fortentwicklung des Vollzugs beratend mitzuwirken, der Öffentlichkeit ein der Realität entsprechendes Bild des Vollzugs und seiner Probleme zu vermitteln sowie um Verständnis für die Belange eines auf soziale Integration ausgerichteten Justizvollzugs zu werben. Den Beiräten gehören Personen an, die - ohne selbst im oder für den Strafvollzug tätig zu sein - Verständnis für die Aufgaben und Ziele des Strafvollzuges haben und bereit sind, bei der Eingliederung entlassener Gefangener mitzuarbeiten.

Die Einrichtung eines Anstaltsbeirates bei jeder Justizvollzugseinrichtung ist sogar gesetzlich in den §§ 162 - 165 StVollzG vorgesehen. Anstaltsbeiräte stellen eine Art institutionalisierte Öffentlichkeit dar und üben über ihre Befugnisse eine Kontrollfunktion aus. Sie sind eigenständige Ansprechpartner für die Gefangenen und die Bediensteten gleichermaßen.

Der Anstaltsbeirat ist mit dem Status der Unabhängigkeit und umfassenden Befugnissen ausgestattet. So ist er berechtigt, die Anstalt und ihre Einrichtungen jederzeit – auch unangemeldet – zu besichtigen und sich über die Behandlung, Unterbringung, Beschäftigung, Beköstigung und ärztliche Versorgung der Gefangenen zu unterrichten. Er kann von ihm benannte Vollzugsbedienstete hinzuziehen und sich in seinen Sitzungen von der JVA-Leitung und -Bediensteten vortragen lassen. Er pflegt den Kontakt zur Gefangenenvertretung, zum Personalrat, zum Sozialen Dienst und den Seelsorgenden sowie Informationsbesuche in allen Bereichen der Anstalt. Bei der Erfüllung seiner Aufgaben wird er von der Anstaltsleitung unterstützt.

Immer wichtiger wird seine Funktion bei der Vorbereitung der Entlassung und der nachgehenden Betreuung, um die straffreie Eingliederung des Gefangenen in die gesellschaft wirksam zu flankieren. Besonders hilfreich sind dabei Netzwerke, über die die Anstaltsbeiräte in den Städten, Gemeinden und Kreisen regelmäßig verfügen.

Ernannt werden der Mitglieder eines Anstaltsbeirates in Thüringen vom Justizminister. Jeder Beirat besteht aus drei bis fünf Mitgliedern.

Als Mitglieder des Beirats eignen sich Bürger_innen, die Verständnis für die Aufgaben und Ziele des Vollzuges haben und bereit sind, bei der Eingliederung entlassener Gefangener mitzuarbeiten. Dem Beirat sollen insbesondere Abgeordnete, Mitglieder kommunaler Vertretungen sowie in der Sozialarbeit erfahrene Personen angehören. Zur Gewinnung von Anstaltsbeiräten bittet jede_r Anstaltsleiter_in in der Regel den Stadt- bzw. Gemeinderat oder, falls die Anstalt in einer kreisangehörigen Stadt liegt, den Kreistag, geeignete Persönlichkeiten zu benennen. Die Anstaltsleitung kann dem Justizministerium jedoch auch eigene Vorschläge unterbreiten.

Justizangehörige, Rechtsanwälte oder Personen, die in geschäftlicher Beziehung mit den Justizvollzugseinrichtungen stehen, können nicht zu Mitgliedern des Beirats ernannt werden.

Die Amtszeit beträgt - den Legislaturperioden der Thüringer Städte und Gemeinden folgend - fünf Jahre.


HABEN WIR IHR INTERESSE GEWECKT? Dann wenden Sie sich bitte an eine Justizvollzugseinrichtung in Ihrer Nähe oder an das Thüringer Justizministerium. Wir freuen uns über Ihre Unterstützung.

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