Konzept PÜMaS

Das Professionelle Übergangsmanagement für Strafgefangene und Haftentlassene (PÜMaS) in Thüringen hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Betreuung von Gefangenen bzw. Haftentlassenen sowie den nahtlosen und umfassenden Übergang von dem geregelten Alltag im Justizvollzug in ein eher selbstbestimmtes Leben in Freiheit für die Dauer von einem Jahr sicher zu stellen. Aus der Teilnahme am PÜMaS kann der Gefangene/Klient keinen Anspruch ableiten (bspw. auf Vermittlung von Wohnraum, Arbeit usw.).

Das Pilotprojekt PÜMaS soll für Gefangene erprobt werden, die bisher ohne spezifische Betreuung am Übergang und nach der Entlassung waren. Es hat die anschließende bedarfsorientierte Überführung in ein dauerhaftes und thüringenweites PÜMAS zum Ziel.

Im Pilotzeitraum konzentriert sich PÜMaS in der nachgehenden Betreuung mit Erfurt auf eine städtische und mit dem Raum Ostthüringen auf eine ländliche Region.

Zielgruppe sind Strafgefangene aller Thüringer Justizvollzugseinrichtungen mit Haftzeiten von mindestens einem Jahr, die voraussichtlich nach Erfurt oder den Raum Ostthüringen entlassen werden und ihre Freiheitsstrafe voll verbüßen und nicht der Führungsaufsicht unterstellt werden.

Die Projektbüros für die nachgehende Betreuung sollen aus Kosten- und Effizienzgründen in dieser Zeit in Justizgebäuden in Erfurt und in Gera eingerichtet werden. Die Betreuung im PÜMaS umfasst die ganzheitliche Beratung der Klienten in Fragen der Wohnungssuche, Arbeit bzw. Ausbildung, finanziellen Sicherung, Strukturierung von Freizeit, Entwicklung eines für die nachhaltige Resozialisierung förderlichen Umfeldes sowie der Ermutigung und Selbstbefähigung. Die Betreuung nach den Standards des in diesem Konzept definierten Übergangsmanagement beginnt im Justizvollzug grundsätzlich mit Beginn der Haft, in der intensiven Phase jedoch 6 Monate vor der voraussichtlichen Entlassung. Sie endet ein halbes Jahr nach der Entlassung. Ein Wiedereinstieg in das Übergangsmanagement nach den sechs Monaten oder bei vorzeitigem Abbruch ist in Ausnahmefällen möglich.

Folgende Bereiche erfüllt das Übergangsmanagement im Detail:

  • Übergangsmanagement für den Justizvollzug beinhaltet Netzwerkarbeit in besonderer Weise. Die im Übergangsmanagement tätigen Mitarbeiter_innen arbeiten ressourcenorientiert in und mit Systemen; sie handeln vernetzt. Sie haben die Verantwortung für den jeweiligen Einzelfall, stehen jedoch ständig in Kontakt mit allen am Fall beteiligten Personen und Organisationen. Sie arbeiten ganzheitlich, demnach klienten- als auch an der Lebenswelt des Klienten orientiert. Beide Aspekte sollen mit dem Ziel der intrinsischen Motivation und Befähigung zu eigenständigem Handeln und zu selbstverantwortlicher Lebensführung verbunden sein.
  • Übergangsmanagement stellt auf Grundlage einer individuellen Problem- und Ressourcenanalyse, einer fachlichen Einschätzung der Gesamtsituation, der Einschätzung durch den Klienten sowie der Einschätzung durch Dritte, passgenaue und auf den Einzelfall abgestimmte Hilfen im Sinne des Case Managements bereit.
  • Im Zusammenhang mit Arbeit/Ausbildung oder beruflicher/schulischer Qualifizierung prüft der zuständige Mitarbeiter im Übergangsmanagement die vorhandenen Ressourcen des Klienten, ermittelt den notwendigen Hilfebedarf und hilft anschließend bei der Vermittlung durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und weitere berufliche Träger oder Personalvermittlungen. Sofern erforderlich, werden Bewerbungssituationen geprobt und die Erstellung von Unterlagen unterstützt. Hinweis: Eingegangene Integrationsvereinbarungen für die berufliche Eingliederung durch das Projekt B.I.S.S. genießen Vorrang. Nach Absprache zwischen dem B.I.S.S.-Integrationsmanagement und dem PÜMaS sind Teilvereinbarungen für die übrigen Aufgabenkreise des PÜMaS möglich.
  • Wohnung (zentrales Element): Das Fehlen eines festen Wohnsitzes erschwert das Stellen von Anträgen auf staatliche Unterstützung. Im Rahmen des Übergangsmanagements wird auf Unterstützungsnetzwerke im sozialen Raum zurückgegriffen. Durch Vernetzung mit Wohnungsunternehmen und Nachsorgeeinrichtungen sowie Betreuten Wohnformen wird frühzeitig sichergestellt, dass der Klient nach der Entlassung eine Unterkunft hat.2 In diesem Zusammenhang besteht gemäß § 53 ThürJVollzGB bei vorhandenen Kapazitäten auch die Möglichkeit des freiwilligen Verbleibs in der JVA.
  • Sozialer Empfangsraum / familiäres Umfeld Das Übergangsmanagement prüft in einem weiteren Schritt die Ressourcen im sozialen Empfangsraum. Sofern für die Resozialisierung förderliche soziale Netzwerke (wieder-)hergestellt werden können/müssen, wird dies von Beginn an zielführend angebahnt (z. B. im Rahmen mehrere begleiteter Ausgänge).
  • Gesundheitliche und psychosoziale Betreuung (auch Therapeuten, Betreuer, psychosoziale Beratungsstellen): Ein weiterer Fokus liegt auf der Fortführung von Behandlungsmaßnahmen, beispielsweise der Suchthilfe, Schuldnerberatung, Substitutionstherapie, Sozial- oder Psychotherapie.
  • Übergangsmanagement informiert den Klienten genau und umfassend und beteiligt ihn an allen für ihn relevanten Entscheidungsprozessen. Vorhandene Ressourcen werden optimal genutzt. Der Klient wird in allen auftretenden Fragen (Hilfe bei Antragstellungen und Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter (SGB II, III, XII), Meldewesen, Fortführung von in der Haft begonnenen Maßnahmen (Anbindung an Suchtberatung, Schuldnerberatung u. a.) bedarfsgerecht beraten und unterstützt. Bei verfügbarer Kapazität und diagnostiziertem Hilfebedarf wird die Durchführung von sozialen Kompetenztrainings angeboten bzw. weitervermittelt.

Das Übergangsmanagement berücksichtigt bereits bestehende Synergieeffekte durch eine standardisierte Zusammenarbeit des Justizvollzuges mit den Sozialen Diensten in der Justiz.

Pilotprojekt PÜMaS - Konzept Stand 20.07.2016 (105.0 kB)

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