26.09.2017
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Medieninformation 225

Gesundheitsministerin Werner warnt vor Suchtpotenzial beim Glücksspiel / Bundesweiter Aktionstag am 27. September

Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner (DIE LINKE), hat anlässlich des morgigen bundesweiten Aktionstages gegen Glücksspielsucht vor dem hohen Suchtpotenzial von Glücksspielen gewarnt.

Gesundheitsministerin Heike Werner sagte: „Glücksspiele sind heute durch Onlineangebote leicht zugänglich. Es gibt nicht mehr den einen Ort, an dem gespielt oder gewettet werden kann. Die Selbstüberschätzung über die realen Gewinnchancen und die Kontrollillusion, den Ausgang des Glücksspiels mit vermeintlicher Kompetenz beeinflussen zu können, lassen Glücksspiele sehr attraktiv erscheinen. Das Suchtpotenzial ist dadurch erheblich, die Folgen der Sucht drastisch. In Thüringen sind und bleiben darum Prävention, Hilfe, Selbsthilfe sowie Forschung im pathologischen Glücksspielen Schwerpunkte der Sucht- und Drogenpolitik.“

Laut Werner sind in Thüringen circa 11.000 Menschen von der Glücksspielsucht betroffen. „Das hat für die Betroffenen und auch ihre Angehörigen erhebliche Auswirkungen und Belastungen zur Folge. Durchschnittlich hat jeder Glücksspieler, der im ambulanten Hilfesystem nach Hilfe nachfragt, 57.700 Euro Schulden. Oftmals geht die Glücksspielsucht noch mit anderen psychischen Störungen einher, wie zum Beispiel Depressionen, Substanzstörungen und Angststörungen. Pathologische Glücksspieler haben ein neunmal höheres Selbstmordrisiko. Glücksspielsüchtige kommen zudem oft spät in das Hilfesystem. Ich ermuntere darum Betroffene sowie ihre Angehörigen, rechtzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und nicht erst dann, wenn alle anderen Lösungsversuche fehlgeschlagen sind. “

Statistische Informationen zur Glücksspielsucht:

- Epidemiologie:
77,6 Prozent der deutschen Bevölkerung haben schon einmal gespielt, 37,3 Prozent sind aktuelle Spieler in den letzten 12 Monaten
- Häufigkeit (12-Monats-Prävalenz):
bundesweit 241.000 problematische Spieler, 215.000 pathologische Spieler (BZgA 2016)
- Lebenszeit-Prävalenz:
bundesweit 531.490 pathologische Glücksspieler, 776.000 problematische Spieler, etwa zusätzlich drei Millionen erfüllen ein bis zwei diagnostische Kriterien für problematisches Glücksspielen
- Glücksspiel bei Jugendlichen:
o 55 Prozent der Jugendlichen unter 18 Jahre haben bereits erste Glücksspielerfahrung (Lebenszeit-Prävalenz, PAGE)
o Etwa jeder 5. Jugendliche hat bereits an einem Glücksspiel teilgenommen (BZgA 2014, 12-Monats-Prävalenz)
o 10 Prozent der unter 18-Jährigen spielen mehrmals im Monat (PAGE)
- Schulden:
Glücksspielsüchtige haben die höchste Verschuldung unter Suchtkranken, rund 16,1 Prozent der bundesweit ambulant Behandelten haben mehr als 25.000 Euro Schulden (im Vergleich: Alkoholabhängige 4,2 Prozent, Kokainabhängige 8,2 Prozent)

(Quellen: BZGA, Universitätsmedizin Greifswald, Universität zu Lübeck, Forschungsgruppe S:TEP, Forschungsverbund EARLy Intervention in health-risk behaviors. PAGE Endbericht 2011)

Informationen zum Thüringer Hilfesystem:

- 28 Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstellen für Suchtgefährdete,
- in der Region Mittelthüringen (WE, GTH, SÖM) Möglichkeit der ambulanten Reha
- 4 Selbsthilfegruppen
- jährlich suchen zurzeit ca. 175 Neuzugänge wegen problematischen Glücksspiels eine Beratungsstelle auf (1.321 Klienten und Klientinnen seit Beginn der Dokumentation, Stand 31.7.2016),

Informationen zu pathologischen Glücksspielern im ambulanten Suchthilfesystem Thüringens:

- überwiegend männlich (81,2 Prozent), ledig (69,2 Prozent), deutsche Staatsangehörige (98,4 Prozent),
- überwiegend zwischen 20 und 39 Jahre alt (67,1 Prozent)
- Realschul- bzw. Abschluss der Polytechnischen Oberschule (57,2 Prozent),
- abgeschlossene Lehrausbildung (70,8 Prozent)
- 49,3 Prozent sind als Arbeiter, Angestellte und Beamte erwerbstätig
- 28,6 Prozent sind Empfänger von Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II
- Insgesamt gehören zu den Glücksspielern in ambulanter Beratung in Thüringen 484 eigene Kinder im minderjährigen Alter.

Hintergrund:

Der alljährliche bundesweite Aktionstag zur Glücksspielsucht will mit unterschiedlichen Aktionen die Bevölkerung auf das hohe Suchtpotenzial von Glücksspielen aufmerksam machen. In Thüringen werden beispielsweise Mitarbeiter*innen aus Suchthilfe, Ehrenamtliche und Betroffene an diesem Tag auf Menschen zugehen, sie im persönlichen Gespräch informieren und vielleicht mit der einen oder anderen ungewöhnlichen Aktion überraschen.
Zentrale Anlaufstellen für Spieler und ihre Angehörigen sind die 28 Thüringer Suchtberatungsstellen, die Glücksspieler beraten und behandeln. Jährlich verzeichnen die Suchtberatungsstellen im Freistaat circa 175 neue Glücksspielsüchtige. Neben der ambulanten Suchthilfe können auch Selbsthilfegruppen in Anspruch genommen werden.
Die Landesregierung misst dem Jugend- und Spielerschutz im Bereich der Glücksspielsucht einen hohen Stellenwert zu und unterstützt mit Sach- und Maßnahmekosten die Sicherung von Prävention, Hilfe und Forschung.

Mehr Informationen im Internet unter: https://gluecksspielsucht-thueringen.de/

26.09.2017

Flyer "Glücksspielsucht?! - Hilfeangebote und Beratungsstellen in Ihrer Nähe (4.7 MB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen