Runder Tisch "Familie und Geburt"

Untersuchung in der Schwangerschaft, Bild: drubig-photo / fotolia
Untersuchung in der Schwangerschaft, Bild: drubig-photo / fotolia

Studie zur Situation der Hebammen in Thüringen vorgestellt

Der Runde Tisch „Familie und Geburt“ hat im Dezember 2014 seine Arbeit aufgenommen. Im Mittelpunkt des Auftakttreffens stand eine Studie über die Versorgungs- und Bedarfssituation mit Hebammenleistungen, der Arbeits- und Einkommenssituation sowie der Ausbildungssituation von Hebammen in Thüringen. Dafür wurden in Thüringen 1.775 Mütter und 167 Hebammen befragt. Darüber hinaus wurden Daten der amtlichen Statistik, Daten zum Leistungsangebot und Abrechnungsdaten der AOK Plus sowie Daten der Gesundheitsämter ausgewertet.

Das vorliegende Gutachten zur Situation der Hebammen im Freistaat ist eine gute Grundlage. Darin sind sich alle Beteiligten einig. Es benennt unter anderen Ausbildungsbedarf, wirtschaftliche Lage und Qualitätssicherung als wichtige Handlungsfelder. Diese Arbeitsschwerpunkte gilt es nun anzupacken, um eine bedarfs- uns qualitätsgerechte Versorgung mit Hebammenleistungen sicherzustellen. Darauf haben sich alle Verantwortlichen und die Interessenverbände verständigt. Es wurden weitere Gesprächsrunden für 2016 vereinbart.

Ausgewählte Ergebnisse

Geburtenentwicklung

  • Die Geburtenzahlen liegen seit dem Jahr 2000 in Thüringen dank steigender Geburtenziffer nahezu konstant bei ca. 17.500. Die ganz überwiegende Anzahl der Thüringer Frauen entbindet im Krankenhaus; rund 92 Prozent der befragten Mütter gaben als Grund dafür vor allem die höhere Versorgungssicherheit in einer Notfallsituation an.
  • Nur 1,4 Prozent der Geburten (236) erfolgten außerklinisch in einer hebammengeleiteten Einrichtung oder als Hausgeburt.
  • Die Anzahl der Frauen im gebärfähigen Alter nimmt in Thüringen voraussichtlich weiter ab (2013 vs. 2000 um minus 33,4 Prozent); eine Zunahme ist nur in der Stadt Erfurt und in der Stadt Jena zu verzeichnen.
  • Nimmt man die Geburtenentwicklung zum Maßstab, war der Bedarf an Hebammenleistungen regional deutlich unterschiedlich und vor allem in den Landkreisen rückläufig.
  • Bei dem voraussichtlich weiter anhaltenden Rückgang der Anzahl gebärfähiger Frauen in fast allen Städten und Kreisen von Thüringen bis 2020 wird der künftige Bedarf an Hebammen vor allem von der weiteren Entwicklung der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau abhängen.
  • In Thüringen hat diese Zahl gerade mit 1,55 Kindern je Frau einen neuen Höchststand seit 1990 erreicht, so dass Thüringer Frauen deutschlandweit durchschnittlich mit die meisten Kinder bekommen.

Hebammenbetreuung

  • Rund 90 Prozent der befragten Mütter sind mit der Hebammenbetreuung weit überwiegend zufrieden. Für weniger als 10 Prozent aller befragten Mütter war es sehr schwierig bzw. schwierig, eine Hebamme für ihre individuelle Schwangerenbetreuung zu finden. Für rund 80 Prozent von ihnen war es sehr leicht bzw. leicht eine Hebamme zu finden.
  • Versorgungsengpässe in der Schwangerenbetreuung und dabei vor allem bei der Wochenbettbetreuung scheint es nach den Angaben der befragten Mütter erfreulicherweise in nur wenigen Regionen Thüringens zu geben. Das trifft vor allem auf die kreisfreien Städte Jena, Weimar und Gera zu, in denen vor allem auch ein Anstieg der Geburtenzahlen in den Jahren von 2000 auf 2013 zu verzeichnen ist (Zuwachs in den kreisfreien Städten von Thüringen um durchschnittlich 17 Prozent; Zuwachs der Geburtenzahlen auch in den Landkreisen Ilm-Kreis, Schmalkalden-Meiningen und Weimarer Land).

Erwerbssituation der Hebammen

  • Die Anzahl der freiberuflich tätigen Hebammen ist seit dem Jahr 2000 angestiegen und lag gemäß der bei der AOK PLUS im Jahr 2013 abrechnenden Hebammen bei 374 (=21,5 Hebammen je 1.000 Lebendgeborene). Die Anzahl der in Thüringer Krankenhäusern angestellt tätigen Hebammen ist seit dem Jahr 2000 weitgehend konstant. Nach einem leichten Absinken der Zahl im Jahr 2010 stieg die Zahl in den Folgejahren an und lag 2013 bei 209 angestellten Hebammen.
  • An der Hebammenbefragung haben 48 Prozent der freiberuflich tätigen Hebammen und 38 Prozent der angestellt tätigen Hebammen teilgenommen. Nach den Angaben der freiberuflich tätigen Hebammen ist ihre Arbeitsbelastung hoch. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet danach mehr als 45 Stunden pro Woche. Die freiberuflich tätigen Hebammen gaben in allen Leistungsbereichen, vor allem in der Wochenbettbetreuung und hinsichtlich der Tätigkeiten als Familienhebamme, einen deutlichen Nachfrageüberhang an. Andererseits plant nahezu die Hälfte von ihnen weitere Leistungseinschränkungen.
  • Dennoch ist die Arbeitszufriedenheit der freiberuflich tätigen Hebammen höher als bei den in Thüringer Krankenhäusern angestellt tätigen Hebammen, auch wenn die freiberuflich tätigen Hebammen deutlich häufiger über eine Reduzierung ihrer Arbeitszeiten nachdenken.
  • Der Umsatz der befragten freiberuflich tätigen Hebammen ist mit 13,5 Prozent in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Ihre Betriebsausgaben sind dagegen weniger stark angestiegen oder gar gesunken.
  • Der extreme Anstieg der Berufshaftpflichtprämien betrifft nur wenige Hebammen, das heißt, nur die ausschließlich freiberuflich tätigen Hebammen, die außerklinische Geburtshilfe anbieten.
  • Im Mittel sind die Einkommen der Hebammen zwischen den Jahren 2011 bis 2014 um rund 13 Prozent gestiegen. Dabei verdienen die angestellten Hebammen weniger als die freiberuflich tätigen Hebammen.

Am Runden Tisch nehmen Vertreterinnen und Vertreter des Hebammenlandesverbandes, der Deutschen Gesellschaft für Hebammenwissenschaften, der gesetzlichen Krankenkassen und der Landesärztekammer Thüringen sowie die Beauftragte für die Gleichstellung von Mann und Frau des Freistaats Thüringen teil. Das Gutachten „Hebammenversorgung in Thüringen“ untersucht ausgehend von der Geburtenentwicklung in Thüringen die Versorgungssituation und den Versorgungsbedarf im Hinblick auf Hebammenleistungen. Es wurde von der IGES Institut GmbH in Berlin angefertigt.

Hebammenversorgung in Thüringen (1.6 MB)
Gutachten der IGES Institut GmbH im Auftrag des Thüringer Sozialministeriums
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

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