Invasive gebietsfremde Arten

Acer negundo


Echinops sphaerocephalus


Elodea canadensis


Fallopia japonica


Impatiens glandulifera


Kamberkrebs_Müller


Lycium barbarum


Marderhund_Westhus


Prunus mahaleb


Roter_Amerikanischer_Sumpfkrebs_Korsch


Sedum spurium


Solidago canadensis


Waschbaer_Westhus



Die Ausbreitung gebietsfremder Arten stellt weltweit eine der großen Gefährdungen für die biologische Vielfalt dar. In der EU aber auch in Thüringen breiten sich entsprechende Arten in den letzten Jahrzehnten immer weiter aus. Handel und Verkehr nehmen zu, Landnutzung und Klimawandel verändern die Lebensräume, auch die direkte Freisetzung dieser Organismen in die Landschaft spielt eine wichtige Rolle.

Wegen der zunehmenden Bedeutung der invasiven Arten sowohl aus naturschutzfachlicher als auch aus wirtschaftlicher Sicht werden diese inzwischen auch von der Politik als Problem wahrgenommen. Die EU hat 2014 eine Verordnung zu diesem Thema erlassen. Zu dieser wurden seitdem zwei zugehörige Arten-Listen veröffentlicht. Aus der Verordnung ergeben sich konkrete rechtliche Vorgaben zum Umgang mit den dort genannten Arten. Genaueres dazu findet man unter dem Punkt Die EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten.

Bereits vor dem In-Kraft-Treten der Artenlisten der EU-Verordnung hat der Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz der TLUG eine Übersicht über die aus Naturschutzsicht speziell in Thüringen problematischen invasiven Arten erarbeitet. Diese Übersicht trägt den Charakter Fachstandpunktes und ist unter dem Punkt Die in Thüringen invasiven gebietsfremden Arten abrufbar.

Auch wenn die Listen der EU und Thüringens ähnliche Ziele verfolgen und eine Reihe von Arten in beiden enthalten ist, gibt es wegen des unterschiedlichen Charakters (Verordnung bzw. Fachstandpunkt) und der verschiedenen Bezugsräume doch auch deutliche Unterschiede. Dies ist bei der Nutzung zu beachten.

Die EU-Verordnung zu invasiven gebietsfremden Arten

Neben der Biodiversitätskonvention und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU beinhaltet vor allem das Bundesnaturschutzgesetz (§ 40) rechtliche Regelungen zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten. Überregional bedeutsam ist die am 01.01.2015 in Kraft getretene „Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22. Oktober 2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“(oft nach der englischen Bezeichnung der „Invasive Alien Species“ als „IAS-Verordnung“ abgekürzt).

Aus der Verordnung ergeben sich die Anforderungen an die Mitgliedsländer hinsichtlich des Umganges mit invasiven Arten. So fordert sie Prävention, Früherkennung über die Einrichtung eines Frühwarnsystems und sofortige Beseitigung in der frühen Phase der Invasion sowie das Management von bereits weit verbreiteten invasiven gebietsfremden Arten.

Am 03.08.2016 ist ergänzend zur Verordnung eine erste Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung in Kraft getreten (siehe auch Nehring 2016). Diese Liste enthielt zunächst 37 Arten, am 13.07.2017 wurde sie um eine zweite, zum 02.08.2017 in Kraft getretene Liste mit zwölf Arten erweitert, so dass die Gesamtliste jetzt 49 Arten umfasst. Darin sind auch einige in Thüringen häufigere Arten aufgeführt, z.B. Riesen-Bärenklau, Drüsiges Springkraut, Blaubandbärbling, Nilgans, Nutria, Bisamratte und Waschbär.

Außerdem besitzen Schmalblättrige Wasserpest, Verschiedenblättriges Tausendblatt, Kamber-, Marmor- und Signalkrebs sowie Marderhund eingebürgerte Vorkommen in Thüringen. Einzelnachweise, aber keine eingebürgerten Vorkommen, gibt es von Gewöhnlicher Seidenpflanze, Wasserhyazinthe, Rotem Amerikanischem Sumpfkrebs, Nordamerikanischer Schmuckschildkröte und Schwarzkopf-Ruderente.

Die invasiven gebietsfremden Arten nach der IAS-Verordnung der EU (VO Nr. 1143/2014) in Thüringen

Die in Thüringen invasiven gebietsfremden Arten

Im Vergleich zur globalen Situation beeinflussen die invasiven gebietsfremden Arten in Thüringen – wie in anderen Teilen Mitteleuropas – die heimische Lebewelt noch vergleichsweise wenig. Trotzdem sind manche von ihnen aus naturschutzfachlicher Sicht problematisch. Deshalb wurde vom Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz an der TLUG eine regionale Liste erarbeitet. Diese enthält 29 gebietsfremde Arten, die in Thüringen nachweislich die heimische Natur negativ beeinflussen. Die genaue methodische Herangehensweise ist in Westhus et al. (2016) dargestellt. Dort werden zudem elf potenziell invasive gebietsfremde Tier- und 24 Pflanzenarten aufgelistet. Von diesen liegen begründete Annahmen vor, dass sie die biologische Vielfalt Thüringens gefährden. Sie bedürfen einer besonderen Beobachtung.

Auf den Seiten zu den Pflanzen- und Tierarten werden die in Thüringen vorkommenden invasiven Neobiota vorgestellt, die von ihnen ausgehenden Gefährdungen für die biologische Vielfalt erläutert und Hinweise zum angemessenen Umgang mit ihnen geben.

Die Listen der in Thüringen invasiven und potenziell invasiven Arten sollen periodisch aktualisiert werden. Anregungen und Informationen für eine künftige Fortschreibung nehmen wir dankbar auf.

Liste der invasiven gebietsfremden Arten Thüringens

Liste der potenziell invasiven Arten Thüringens

Kontakt Fauna: frank.fritzlar{at}tlug.thueringen{punkt}de

Kontakt Flora: werner.westhus{at}tlug.thueringen{punkt}de

Was sind invasive gebietsfremde Arten?

Als Neobiota oder gebietsfremd werden Tier-, Pilz- oder Pflanzenarten bezeichnet, die unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein Gebiet außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsareales gelangt sind und dort wild leben oder gelebt haben. Nach der Biodiversitätskonvention von Rio (CBD) werden gebietsfremde Arten als invasiv bezeichnet, wenn sie in ihrem neuen Siedlungsgebiet die Biodiversität (Vielfalt der Lebensräume, Arten und Gene) gefährden.

Allgemeine Empfehlungen für den Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten

Der aus Sicht des Naturschutzes zu empfehlende Umgang mit invasiven und potenziell invasiven Arten kann sehr unterschiedlich sein. Der Schwerpunkt muss in den meisten Fällen auf einer Vorbeugung liegen, d.h. einer vorausschauenden Vermeidung der Einführung und weiteren Ausbreitung. Hierzu zählen die Verhinderung einer unbeabsichtigten Ausbringung z.B. über die Entsorgung von Gartenabfällen oder das Aussetzen von Tieren. Neben der Prävention, Früherkennung und sofortigen Tilgung in der frühen Phase der Invasion fordert die neue EU-Verordnung auch das Management von bereits weit verbreiteten invasiven gebietsfremden Pflanzen- und Tierarten. Für die 29 in Thüringen invasiven gebietsfremden Arten werden die von ihnen ausgehenden Gefährdungen auf die biologische Vielfalt erläutert und Empfehlungen zu Vorsorge, Kontrolle und Maßnahmen gegeben. Weitere umfangreiche Informationen sind Westhus et al. 2016 zu entnehmen.

Weiterführende Literatur (zur Übersicht bitte klicken)

Titel_LNT_2006_1

Fachbeirat für Arten- und Biotopschutz – zusammengestellt von W. Westhus, D. v. Knorre, W. Zimmermann, R. Müller, F. Fritzlar, S. Klaus, A. Nöllert & J. Wiesner (2006) Bedrohen invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen unsere heimische Natur? Ein Situationsbericht aus Thüringen. – Landschaftspflege u. Naturschutz Thür. 43, 1: 1-19

 

 

 

 

 

Titel_LNT_2005_1
Müller, N., W. Westhus & R. Amft (2005) Invasive gebietsfremde Pflanzenarten in Thüringen und ihre Bewertung aus Sicht des Naturschutzes. – Landschaftspflege u. Naturschutz Thür. 42, 1: 23-29

 

 

 

 

 

  • Nehring, S. (2016): Die invasiven gebietsfremden Arten der ersten Unionsliste der EU-Verordnung Nr. 1143/2014. – BfN-Skripten 438: 134 S.
     
  • Scheibner, C., M. Roth, S. Nehring, D. Schmiedel, E.-G. Wilhelm & S. Winter (2015): Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 2: Wirbellose Tiere und Wirbeltiere. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 141 (2), 626 S.
     
  • Schmiedel, D., E.-G. Wilhelm, S. Nehring, C. Scheibner, M. Roth & S. Winter (2015): Management-Handbuch zum Umgang mit gebietsfremden Arten in Deutschland. Band 1: Pilze, Niedere Pflanzen und Gefäßpflanzen. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 141 (1), 709 S.

 

Titelseite Westhus et al 2016

Westhus, W., U. Bößneck, F. Fritzlar, H. Grimm, H. Grünberg, R. Kleemann, D. v. Knorre, H. Korsch, R. Müller, C. Serfling & W. Zimmermann (2016): Invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen in Thüringen – welche Arten bedrohen unsere heimische Natur? – Landschaftspflege u. Naturschutz Thür. 53, 4: 44 S.

 

 

 

 

 

Titelseite Zündorf et al 2006

Zündorf, H.-J., K.-F. Günther, H. Korsch & W. Westhus (2006): Flora von Thüringen. – Weissdorn-Verl. Jena: 766 S.

 

 

 

 

 

 

Faltblatt „Orientalisches Zackenschötchen eine invasive Pflanzenart in Jena“

Sh2016

 

 

Sonderheft 2016 der Zeitschrift „Landschaftspflege und Naturschutz in Thüringen“ zum Thema

„Invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen in Thüringen – Welche Arten bedrohen unsere heimische Natur?“

Inhalt

1 Warum ein Heft über invasive gebietsfremde Tiere und Pflanzen? S.148
2 Alles was „Recht“ ist S.151
3 Was sind invasive gebietsfremde Arten? S.151
4 Wie erfolgte die Auswahl der Arten? S.152
5 Liste der in Thüringen invasiven gebietsfremden Arten S.153
6 Vorstellung der invasiven gebietsfremden Arten S.154
7 Liste der in Thüringen potenziell invasiven Arten S.180
8 Erläuterungen zu den potenziell invasiven Arten S.180
9 Schlussbetrachtungen und Empfehlungen zum Umgang mit invasiven gebietsfremden Arten S.185
10 Auf welchen rechtlichen Grundlagen beruht der Umgang mit gebietsfremden Arten? S.185
11 Literatur S.187
12 Zusammenfassung S.191
13 Abstract S.191

 

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