Hybriden: Fangbemühungen laufen Ende März aus / Abschuss von drei Tieren

Angesichts der beginnenden Weidesaison hatte das Umweltministerium seine Bemühungen zum Fang und Abschuss der Hybriden intensiviert. Begünstigt durch den Wintereinbruch und das im Schnee leichtere Fährtenlesen gelang der Abschuss von drei Hybriden. Der Verdacht, ein vierter Hybride sei vom Zug erfasst und getötet worden, hat sich nicht bestätigt. Die Genanalyse hat zweifelsfrei einen Hund nachgewiesen.

Die drei geschossenen Tiere sind eindeutig Hybriden und im Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin, um sie zu Forschungszwecken zu untersuchen.

Wölfin, unterwegs im Thüringer Wolfsgebiet / © Bundesforst
Ohrdrufer Wölfin, Aufnahme vom 11.03.2018, Quelle: Bundesforst

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund: "Wir standen seit dem Bekanntwerden der sechs Wolf-Hund-Mischlinge vor der Aufgabe, die Tiere aus der freien Wildbahn zu entfernen. Dafür tragen wir Verantwortung  –  zum Schutz der bedrohten Art Wolf. Wir haben mit hohem Aufwand intensiv versucht, die Tiere lebend zu fangen, um sie in den alternativen Bärenpark nach Worbis zu bringen. Verabredungsgemäß sind Mittel in den Ausbau entsprechender Gehege in hoher fünfstelliger Höhe geflossen. Bei den Fallen haben wir auf Kasten- und Schwingfallen gesetzt, die in dieser Kombination und Dichte erstmals so in der Bundesrepublik aufgestellt worden sind. Seit einigen Wochen haben wir Stufe 2 der Entnahmebemühungen gezogen, also sowohl Fangen als auch Abschuss. Uns war klar, dass angesichts der kommenden Weidesaison die Zeit drängt. Weil das Umsetzen des Wolfsmanagementplanes in unserer Verantwortung liegt, haben wir die Pflicht zu handeln.“

Ende März wurden die Fangbemühungen gestoppt, weil die Setzzeit der Wildtiere, also die Zeit, in der Jungen zur Welt kommen, einsetzte. Das Risiko ist zu hoch, dass durch den Fang eines Muttertiers jedweder Art die zugehörigen Jungtiere sterben. Die Abschussbemühungen für die mutmaßlich zwei verbliebenen Hybriden gehen vorerst weiter. Das Umweltministerium geht weiterhin davon aus, dass sie sich auf dem Truppenübungsplatz befinden. Andere belastbare Informationen liegen derzeit nicht vor.

Fragen und Antworten

Welchen Status hat der Wolf in Thüringen? Welchen Status haben Hybriden?

Der Wolf ist nach nationalem und internationalem Recht streng geschützt.  Das ist nachlesbar u.a. hier: § 7 Abs. 2 Nr. 14 BNatschG in Verbindung mit § 44 BNatSchG;  FFH-Richtlinie (Anhang II, prioritäre Art) und Anhang IV);  Washingtoner Artenschutzübereinkommen (Anhang II);  Berner Konvention (Anhang II). Danach sind wir verpflichtet, den Schutz des Wolfes zu gewährleisten. Diese Verpflichtung umfasst auch den Schutz der Art Wolf vor dem Eindringen von Hundegenen. Die Landesregierung hat schon frühzeitig mit dem Managementplan dafür Sorge getragen, dass sich die Menschen in Thüringen wegen der Rückkehr des Wolfes keine Sorgen machen müssen. Speziell bezogen auf das Problem der Hybridisierung sagt der Wolfsmanagementplan sehr klar, dass Hybriden der Natur entnommen werden müssen. (s. Wolfsmanagementplan: http://apps.thueringen.de/de/publikationen/pic/pubdownload1609.pdf)

Was ist seit Mitte Oktober letzten Jahres passiert, nachdem sechs Hybriden nachgewiesen wurde?

Im November 2017 gab Umweltministerin Siegesmund ein dreistufiges Verfahren zur Entnahme der Hybriden bekannt: Zunächst wurde das sächsische Wolfsbüro Lupus mit einem Konzept für das Finden und Fangen der Wölfin und der Hybriden beauftragt. Ab Anfang Dezember wurden ausschließlich Lebendfangmethoden angewandt. Ab Januar haben wir die zusätzlich der Abschuss der Tiere  versucht. Sowohl für den Fang der Hybriden und der Wölfin, für das Besendern der Wölfin als auch für den Abschuss der Hybriden lagen dazu Genehmigungen der Oberen Naturschutzbehörde im Landesverwaltungsamt vor. Begünstigt durch die winterlichen Schneelagen haben wir in den vergangenen Wochen unsere Bemühungen zum Fang und Abschuss der Hybriden intensiviert - drei Hybriden wurden abgeschossen, ein weiteres Tier – nach Augenschein des Rissgutachters ebenfalls ein Hybrid – wurde tot aufgefunden, vermutlich nach einem Bahnzusammenstoß.

Wie geht es jetzt mit der Wölfin und den vermutlich verbliebenen Hybriden weiter?

Wir haben unsere Fangversuche (Kasten- und Schlingfallen) Ende März eingestellt. Das hat damit zu tun, dass die Setzzeit der Wildtiere beginnt. Das Risiko ist zu hoch, dass durch den Fang eines Muttertiers (egal welcher Tierart) die zugehörigen Jungtiere sterben. Unsere Beifänge in den Kastenfallen zeigen, dass Füchse und Wildkatzen gefangen werden.  Wir wollen allerdings ab Herbst erneut versuchen, die Wölfin einzufangen. Es sei denn, unsere Monitoring-Ergebnisse zeigen, dass ein Wolfsrüde zugewandert ist. Wir gehen davon aus, dass sich die 3 vermutlich noch lebenden Hybriden in der Nähe des Standortübungsplatzes Ohrdruf aufhalten – die Bemühungen für Abschuss gehen daher vorerst weiter.

Warum ist Fang oder Abschuss im Ohrdrufer Forst so schwierig?

Die Wölfin hatte sich mit ihren Jungtieren auf den Truppenübungsplatz zurückgezogen. Dort ist ein Sperrgebiet von ca. 4500 ha  - für die Öffentlichkeit grundsätzlich nicht betretbar. Etwa ein Drittel davon ist Wald, der Rest Offenland. Überall weisen aus gutem Grund Schilder darauf hin, dass auch wegen alter Munitionsreste dort Lebensgefahr herrscht – auf mehr als 800 ha gilt absolutes Betretungsverbot. Alle Fang- oder Abschuss-Versuche waren diesen Umständen entsprechend eingeschränkter, als sie es in anderen Wäldern gewesen wären.

Was haben die Bemühungen um Fang und Abschuss und die Vorbereitungen im alternativen Bärenpark Worbis für Kosten ausgelöst? Zu welchem Nutzen?

Das Umweltministerium hat etwa 100.000 Euro bereitgestellt – wobei Ausgaben für die Vorbereitungen und die Umsetzungen von Fang und Abschuss nur ein Viertel der Kosten ausmachen. Vor allem wurde der alternative Bärenpark Worbis fit gemacht als Thüringer Auffangstation für verletzte Wölfe und Luchse, oder eben auch für Hybriden.  Wir sind Wolfserwartungsland.  Viele Tiere sterben, wenn sie auf ihren langen Wanderungen Straßen queren müssen. Sollten sich Tiere jedoch dabei verletzen und aufgefunden werden, müssen wir dafür Sorge tragen, dass sie versorgt werden. Dafür steht uns nun der Bärenpark Worbis besser ausgestattet zur Verfügung.

Weitere Informationen/Angebote/Vorhaben zum Thema Wolf

  • Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie ist personell gestärkt worden und hat inzwischen ein Wolfstelefon geschaltet. Hier können Thüringerinnen und Thüringer sich zu Wolf und Luchs in Thüringen informieren, aber auch selber Sichtungen von Tieren oder Spuren melden. Schäfer und andere Nutztierhalter werden beraten, wie sie ihre Tiere vor Wolfsangriffen schützen können oder wie der Managementplan Wolf erfolgreich anzuwenden ist.
     
  • Informationsveranstaltungen, die wir um Ohrdruf herum durchgeführt haben, werden fortgesetzt. Gemeinsam mit den Natura 2000-Stationen werden wir aber auch in anderen Regionen Thüringen Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung anbieten, um über die Verhaltensweisen von Wölfen zu informieren und auch Hundebesitzer im Umfeld des Standortübungsplatzes zu sensibilisieren.
     
  • Der runde Tisch mit den Schäfern wird fortgeführt, um die Förderung und Entschädigung der Schäfer zu verbessern. Mit der neuen Scha-Zi-Prämie stehen den Thüringer Schäfern 1,5 Mio. Euro pro Jahr zusätzlich zur Verfügung. Hier hat die Landesregierung eine wesentliche Weichenstellung vorgenommen, die der Absicherung des Schäferberufs dient. Da sind wir dabei, die entsprechende Förderrichtlinie zu erarbeiten, damit es Anfang 2019 losgehen kann.
     
  • Das Wolfsmonitoring ist bereits 2017 intensiviert worden. Hierfür sind Kooperationsvereinbarungen mit dem Landesjagdverband Thüringen e. V. und dem NABU Thüringen e. V. geschlossen worden, die die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie bei dem Aufstellen und Betreuen der Kameras unterstützen.  Nach Einschätzung des Büros LUPUS ist die Ohrdrufer Wölfin die bundesweit bestbewachte Wölfin, da wir dort inzwischen eine Kameradichte haben, die woanders nicht zu finden ist. Unser Monitoring bezieht sich aber nicht nur auf Ohrdruf. In einer landesweiten Monitoringkonzeption der TLUG für Luchs und Wolf wurde die Gebietskulisse festgelegt, innerhalb derer das Monitoring für diese beiden Tierarten intensiviert werden soll. Weitere Kameras werden dort aufgestellt, um frühzeitig aktiv werden zu können.

Wir wollen zusammen mit anderen zuständigen Länderressorts darauf hinwirken, dass die Bundesregierung Vorgaben zum Umgang mit Wölfen vereinheitlicht und präzisiert. Im Koalitionsvertrag steht dazu bisher nur sehr vage: „Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden.“

Chronologie

  • Am 11.10.2017 hat das Umweltministerium vom Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes zum Thema Wolf die Bestätigung erhalten, dass mindestens 6 Hybriden auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf vorkommen.
  • Umgehend wurde das Dokumentations- und Beratungszentrum des Bundes zum Thema Wolf um eine fachliche Empfehlung zum weiteren Vorgehen gebeten. Diese traf am 18.10.2017 ein. Sie enthielt als Empfehlung den Abschuss und die Anwendung von Lebendfangmethoden.
  • Auf der Basis der fachlichen Empfehlung wurde die rechtliche Situation geprüft.
  • Parallel wurde die Umsetzung der Entnahmemaßnahmen vorbereitet.
  • Das LUPUS- Institut für Wolfsmonitoring wurde mit der Erarbeitung einer Entnahmekonzeption beauftragt.
  • Der Alternative Bärenpark Worbis ist im Thüringer Managementplan für den Wolf als geeignete Einrichtung für die Unterbringung verletzter, hilfloser oder kranker Wölfe genannt. Die Anfrage des TMUEN, ob die Hybriden dort untergebracht werden können, wurde positiv beantwortet.
  • November 2017 wurden vom Umweltministerium drei Genehmigungen bei der oberen Naturschutzbehörde eingereicht: Lebendfang, Abschuss und Besenderung.
  • Für die beantragten Maßnahmen erhielt das TMUEN die notwendigen Genehmigungen.
  • Das Umweltministerium ließ kurzfristig durch den Nationalpark Bayerischer Wald zwei große Kastenfallen (Maße: 5 m x 1,5 m x 1,5 m; Gewicht je Falle: 500 kg) anfertigen. Eine baugleiche dritte Falle wurde von dort entliehen. Zusätzlich wurden vom Nationalpark Harz zwei weitere große Kastenfallen ausgeliehen.
  • Seit dem 13.12.2017 sind 5 Kastenfallen in Betrieb
  • Die Beifänge (Füchse, Wildkatzen, Greifvögel) zeigen, dass die Fallen funktionieren.
  • Seit dem 17.02.2018  werden zusätzlich Schlingenfallen eingesetzt
  • Die 3 getöteten Hybriden wurden in das Leibnitz- Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht, um sie zu Forschungszwecken zu untersuchen
  • 18. April 2018: Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund beantwortet die über 400 Bürgeranfragen zu der Fangaktion auf dem Standortübungsplatz Ohrdruf
  • 19. April 2018: Die Genanalyse für den vermeintlichen Hybriden, der in der Nähe von Gotha vom Zug erfasst und tödlich verletzt wurde, liegt vor. Es handelte sich zweifelsfrei um einen Hund.

 

Stand: 27.03.2018

Themenseite: Wolf und Luchs in Thüringen

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Logo Schöffenwahlen 2018 Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

Beliebte Seiten

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen