11.01.2018
Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz

Medieninformation

Gipskarst Südharz: 4,5 Mio. Euro für europaweit einzigartige Kulturlandschaft

Siegesmund: Förderung durch den Bund ist Rückenwind für ein Biosphärenreservat Südharz/Kyffhäuser

Der Landschaftspflegeverband Südharz/Kyffhäuser erhält eine umfangreiche Förderung für sein Projekt „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben“. Bund und Land fördern das Artenschutzprojekt gemeinsam mit rund 4 Mio. Euro. Der mit 75 Prozent größte Teil der Finanzierung kommt aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ vom Bundesumweltministerium, über das besonders artenreiche Gebiete von bundesweiter Bedeutung unterstützt werden. Das Thüringer Umweltministerium trägt mit 700.000 EUR rund 16 Prozent der Gesamtsumme. Die Stiftung Naturschutz Thüringen unterstützt den Projektträger mit ca. 100.000 Euro.

„Die Förderung über das Bundesprogramm ist ein großer Erfolg und eine Bestätigung unserer Pläne für ein Biosphärenreservat Südharz. Die Südharzer Gipskarstlandschaft in Thüringen gehört zum exklusiven Club von 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Daraus wächst eine besondere Verantwortung, diesen Schatz für kommende Generationen zu bewahren“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund.

Ziel des Projektes vom Landschaftspflegeverband „Südharz/ Kyffhäuser“ ist der Schutz der einzigartigen Kulturlandschaft des Südharzer Zechsteingürtels auf Thüringer Gebiet. Dazu sollen die Flächen regelmäßig beweidet werden, um Gehölzaufwuchs zurückzudrängen. Gleichzeitig sollen die Nachwuchsprobleme der Betriebe mit Schaf- und Ziegenhaltung in der Region angegangen werden.

Jahrhundertelange extensive Beweidung ließ vielerorts einzigartige Trocken-und Halbtrockenrasen entstehen. Der Artenreichtum dieser Offenlandlebensräume ist jedoch durch eine stetig sinkende Weide- und Mahdnutzung gefährdet. Inzwischen gibt es nur noch 11 Landwirte in der Region, deren Schafe und Ziegen auf den Flächen weiden. Damit sank ihre Zahl innerhalb weniger Jahre um 50 Prozent.

„Wir wollen vor allem die Landwirte mit Schaf- und Ziegenhaltung in der Region stärken. Der Schutz der grünen Karstlandschaft und die Nutzung durch Beweidung funktionieren nur gemeinsam. Dazu wollen wir den Betrieben mit Schaf- und Ziegenhaltung langfristig eine wirtschaftliche Perspektive bieten“, so Siegesmund weiter.

Der „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ gilt als sog. Hotspot der biologischen Vielfalt und erstreckt sich über die drei Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Das Teilgebiet „Südharzer Zechsteingürtel“ ist das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas. Im Gegensatz zu anderen Karstgebieten ist es von Vegetation bedeckt und wird deshalb als „Grüner Karst“ bezeichnet. Hier bestimmen auf 30 Prozent der Fläche naturnahe Wälder die Landschaft. Bemerkenswert sind Orchideen -Buchenwälder sowie Gipsfelsen mit Kalk-Pionierrasen, Gips-Schutthalden mit Glazialrelikten und artenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen, auf denen Orchideen und Steppenpflanzen gedeihen.


Hintergrund

Das Vorhaben „Gipskarst Südharz – Artenvielfalt erhalten und erleben (Hotspot 18)“ hat eine Laufzeit von sechs Jahren (2018 bis 2023) und ein Gesamtvolumen von 4.492.712,71 Euro.
Es soll zu 74,45% vom Bund (Bundesamt für Naturschutz), zu 15,9% vom TMUEN und zu 2,4% von der Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) gefördert werden. Der Landschaftspflegeverband „Südharz/ Kyffhäuser“ hat einen Eigenanteil von 7,25% aufzubringen, der vom Landkreis Nordhausen bereitgestellt wird.

Die Drittmittelgeber Thüringer Umweltministerium (TMUEN) und die Stiftung Naturschutz Thüringen (SNT) haben sich darauf verständigt, ihre Fördermittel zeitversetzt bereitzustellen: Die SNT stellt für 2018 die Summe von 108.367 Euro bereit, das TMUEN für den Zeitraum 2019 bis 2023 713.828,54 Euro, die Mittel stehen z.T. unter Haushaltsvorbehalt.

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