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ehemalige Grenzanlage am grünen Band

70 Jahre Grenzabriegelung der DDR am 26. Mai 1952

Vor 70 Jahren, am 26. Mai 1952, erließ die DDR-Regierung die „Verordnung über Maßnahmen an der Demarkationslinie zwischen der DDR und den westlichen Besatzungszonen Deutschlands“. Diese bildete die Grundlage für den Ausbau der innerdeutschen Grenze. Fortan war das Grenzgebiet für die eigene Bevölkerung gesperrt und konnte nur nach Genehmigung betreten werden. In unmittelbarer Nähe der Grenze wurde ein rigides Überwachungsregime mit Türmen, Zäunen und patrouillierenden Soldaten errichtet. Mit der Grenzabriegelung wurden nicht aber nur Fluchtwege versperrt und regionale Gemeinschaften zerrissen. Zugleich ordnete die SED-Diktatur auch Zwangsaussiedlungen aus den Grenzgebieten an, bei denen bis 1961 über 11.000 Menschen ihre Heimat verloren.

An der Zonengrenze zwischen Welitsch (Bayern) und Heinersdorf (Thüringen, DDR) steht am 13.01.1953 eine Gruppe Flüchtlinge aus der DDR, die Verwandte und Freunde über die Grenze hinweg grüßen und winken.

schwarz/weiß Aufnahme, winkende Menschen stehen vor einem Zaun, den Rücken zum Betrachter

Gedenkstätte Point Alpha als Erinnerungsort der deutschen Teilung

ehemalige Grenzanlage am Point Alpha

Gedenkstätte Point Alpha als Erinnerungsort der deutschen Teilung

Schild mit russischer Schrift an Zaun

ehemalige Grenzanlagen in Görsdorf

ehemalige Grenzanlagen in Görsdorf

Das "grüne Band" bei Görsdorf.

Plattenstraße inmitten von grünen Bäumen

Plakette zum Gedenken in Teistungen

Plakette zum Gedenken an die Opfer der Teilung

Der 26. Mai 1952 verdeutlicht, auf welch brutale Weise der SED-Staat der eigenen Bevölkerung Grundrechte wie Bewegungs- und Reisefreiheit entzog. Mit diesem Tag begann die Abschottung eines ganzen Landes, die im Bau der Berliner Mauer im August 1961 ihren traurigen Höhepunkt fand. Der 26. Mai 1952 ist daher ein historisch bedeutsamer Tag –besonders für Thüringen, das mit gut 750 Kilometern den längsten Abschnitt der innerdeutschen Grenze aufwies.

Veranstaltungen zum 70. Jahrestag der Grenzabrieglung der DDR

Anlässlich des 70. Jahrestags der Grenzschließung hat der Geschichtsverbund Thüringen zusammen mit dem Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Stiftung Naturschutz Thüringen eine eigene Veranstaltungsreihe konzipiert. Unter dem Titel „Der Schnitt – Die Grenzabriegelung der DDR 1952“ finden vom 19. Mai bis 9. November 2022 an verschiedenen Orten in Thüringen zahlreiche Veranstaltungen statt.  

Veranstaltungsübersicht

  • Ort: Grenzlandmuseum Eichsfeld, Teistungen

    Bei der Tagung, die von der Thüringer Staatskanzlei gefördert wird, diskutieren Historikerinnen und Historiker über den historischen Kontext des Jahres 1952 und die Auswirkungen der Abriegelung auf die Grenzregionen in Ost und West.

    Zur Webseite des Grenzlandmuseums

  • Ort: Historisches Rathaus Duderstadt

    Im Rahmen der Fachtagung „1952 – Die Grenzabriegelung und das geteilte Deutschland“  gibt der Eichsfelder Pianist Martin Kohlstedt ein Konzert in Duderstadt, zu dem die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist.

    Zur Webseite der Stiftung Naturschutz

  • Treffpunkt: Gedenkstätte Innerdeutsche Grenze Eisfeld Rottenbach, Eisfeld

    Die Stiftung Naturschutz Thüringen lädt zu einer Wanderung zum Grenzdenkmal „Görsdorfer Mauer“ ein.

    Zur Webseite der Stiftung Naturschutz Thüringen

  • „Eine menschenverachtende Grenze – mitten durch Deutschland – mitten durch Mödlareuth“

    Ort: Deutsch – Deutsches Museum Mödlareuth, Töpen

    In ihrem Vortrag Uhr beleuchtet Dr. Anke Geier, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, über die historischen Hintergründe, den Ablauf der Grenzabriegelung und deren unmittelbare Folgen.

    Weitere Informationen: https://moedlareuth.de/journal.html

  • Ort: Freilichtmuseum Hohenfelden

    Unter dem Titel „Sie werden binnen 24 Stunden abgeholt…“ lädt das Thüringer Freilichtmuseum Hohenfelden zu einem Erzählcafé ein, bei dem Zeitzeuginnen und Zeitzeugen über die Zwangsaussiedlungen aus dem Grenzgebiet der DDR sprechen. Anlass ist die Eröffnung des Frankenwaldhauses, das ursprünglich in Heinersdorf (Landkreis Sonneberg) an der Grenze zu Bayern stand. Dessen Eigentümer waren Opfer der Zwangsaussiedlungen, die mit der Grenzabriegelung am 26. Mai 1952 einhergingen.

    Zur Webseite des Museums

  • Im digitalen Erzählsalon, veranstaltet vom Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, berichten Menschen aus Ost und West über ihr Leben im Schatten der innerdeutschen Grenze. 

    Zur Webseite des Landesbeauftragten

  • Ort: Grenzmuseum Schifflersgrund, Asbach-Sickenberg

    Anders als in der DDR konnten Westdeutsche problemlos an die innerdeutsche Grenze reisen. Über den Grenztourismus und ihr Buch „Zonenrandgebiet. Westdeutschland und der Eiserne Vorhang“ spricht die Historikerin Prof. Dr. Astrid M. Eckert.

    Zur Webseite des Museums

  • Ort: Gedenkstätte Point Alpha, Geisa

    Die Point Alpha Stiftung gedenkt in Kooperation mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur der Schließung der innerdeutschen Grenze durch das SED-Regime im Jahr 1952. Am Gedenktag ist eine Kranzniederlegung an einem rekonstruierten Grenzzaun von 1952 sowie ein anschließender Vortrag zu den Maßnahmen nach dem 26. Mai 1952 geplant.

    Weitere Informationen: https://www.pointalpha.com

  • Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt

    Die szenische Lesung „Vergessene Orte an der ehemaligen innerdeutschen Grenze“ von Janet Hesse und Dirk Blume beschäftigt sich in künstlerischer Weise mit der deutschen Teilung und ihren Folgen.

    Zur Webseite der Gedenkstätte

  • Ort: Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, Erfurt

    Das Gelände des früheren KZ-Außenlagers Ellrich-Juliushütte wurde durch die deutsch-deutsche Grenze geteilt. Unter dem Titel „Schuld waren immer die anderen. Ost- und West-Perspektiven auf das an der Grenze liegende ehemalige KZ Ellrich-Juliushütte, 1945 – 1989“ spricht der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Prof. Dr. Jens-Christian Wagner, über den Umgang mit dem historischen Ort in der Bundesrepublik und DDR.

    Zur Webseite der Gedenkstätte

  • Ort: Haus des Volkes, Probstzella

    Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe beschäftigt sich die Stiftung Naturschutz Thüringen mit der Entwicklung des früheren Grenzstreifens zum „Grünen Band“, das seit Ende 2018 ist als Nationales Naturmonument ausgewiesen ist.

    Weitere Informationen: https://www.stiftung-naturschutz-thueringen.de/erleben/veranstaltungskalender

„Ein wichtiges Zeichen für ein friedliches und vereintes Europa“

„Das Jahr 1952 bleibt in unserem Bewusstsein. Darum wird im Freistaat Thüringen auch jedes Jahr daran erinnert. Dabei spielen die Grenzmuseen eine wichtige Rolle.“ Thüringens Kulturstaatssekretärin Tina Beer eröffnete am 19. Mai im Grenzlandmuseum Eichsfeld in Teistungen die Fachtagung „1952 – Die Grenzabriegelung und das geteilte Deutschland“ mit einem Grußwort.

Beer weiter: „Es ist von großer Bedeutung, dass Sie diese Tagung durchführen, dass Sie Erinnerung verankern, Bewusstsein dafür schaffen, vermitteln, aufklären und forschen. Die Tagung führt uns vor Augen, dass ein Leben in Freiheit und Demokratie nicht selbstverständlich ist. Man muss sich dafür einsetzten. Es ist möglich, durch mutige Menschen, Zivilcourage und Beharrlichkeit diktatorische Regime zu überwinden. Der ehemalige Grenzstreifen ist jetzt ein außergewöhnliches Stück Natur. Die Thüringer Landesregierung setzt sich besonders ein, dass dieser Ort als Lebensraum für gefährdete Arten und gleichzeitig zur Erholung für Menschen und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte bewahrt wird. Darum unterstützen wir den Antrag, dass das Grüne Band UNESCO Weltnaturerbe wird. Es ist ein wichtiges Zeichen für ein friedliches und vereintes Europa.“

Ein modernes Gebäude mit der Aufschrift "Grenzlandmuseum"

Bei der Tagung handelt es sich um die Auftaktveranstaltung der Veranstaltungsreihe zum 70. Jahrestag der Grenzschließung unter dem Titel „Der Schnitt. Die Grenzabriegelung der DDR 1952“. Getragen wird die Reihe vom Thüringer Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, dem Geschichtsverbund Thüringen und der Stiftung Naturschutz Thüringen.

Die Veranstaltungsreihe erstreckt sich von Mai bis November 2022. Geplant sind neben Lesungen und Grenzwanderungen auch „Erzählcafés“, bei denen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus Ost und West über ihr Leben im Schatten der Grenze berichten. Die Reihe endet am 10. November 2022 mit einem Kolloquium zur Zukunft des „Grünen Bandes“ an der früheren innerdeutschen Grenze.

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