20.08.2018
Thüringer Staatskanzlei

Medieninformation 191/2018

Ministerpräsident Bodo Ramelow überreicht Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland

Erika Axthelm-Gattung, Volker Blumentritt, Jürgen Hauskeller, Dr. Felicitas Marwinski, Dr. Konrad Marwinski und Martin Warmuth werden am kommenden Donnerstag (23. August 2018, 14 Uhr) mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Im Namen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird Ministerpräsident Bodo Ramelow die Ehrung in der Thüringer Staatskanzlei vornehmen. Er sagt vorab: „Mit diesen Ehrungen wird deutlich: Thüringen ist ein solidarisches, mitmenschliches und soziales Land, in dem Engagement und Bürgersinn großgeschrieben werden. Jeder Orden, den ich verleihen oder übergeben darf, steht für Gestaltungskraft, Hilfsbereitschaft und gelebte Demokratie. Unser Land lebt davon, dass sich Menschen mit großer Kreativität für unser Gemeinwesen einsetzen und die Gesellschaft mitgestalten. Wir brauchen die Tatkraft von Frauen und Männern, die die Mühen der Umsetzung nicht scheuen und dafür sogar persönliche Interessen zurückstellen. Und für diese Tatkraft danke ich den Ausgezeichneten ausdrücklich.“

Termin: Donnerstag, 23. August 2018, 14 Uhr
Ort: Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei, Regierungsstraße 73, 99084 Erfurt

Die Vertreterinnen und Vertreter der Medien sind zu der Veranstaltung sehr herzlich eingeladen. Bei Interesse an Fotos wenden Sie sich bitte an Bernd Edelmann (bernd.edelmann{at}tsk.thueringen{punkt}de bzw. 0361-57 3211410).

In den Laudationes auf die Ausgezeichneten heißt es u. a.:

Erika Axthelm-Gattung aus Bad Berka erhält für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im Sport die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Sie ist eine passionierte Pädagogin und Übungsleiterin, die viel für den Breitensport im Weimarer Land getan hat. Es war und ist ihr wichtig, vielen Menschen die Möglichkeit zu bieten, Sport ohne Leistungsdruck zu betreiben.

Neben ihrem Beruf als Sportlehrerin war sie daher als Übungsleiterin in der Leichtathletik, im Geräteturnen und Basketball tätig. Seit beinahe sechs Jahrzehnten trainiert sie Kinder und Jugendliche und vermittelt ihnen Freude an Schnelligkeit, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Darüber hinaus war sie Anfang der 80-er Jahre maßgeblich an der Etablierung zweier Laufveranstaltungen beteiligt, die sich bis heute großer Beliebtheit in der Region erfreuen.

Darüber hinaus macht Erika Axthelm-Gattung anderen Frauen Mut, in Sportvereinen Verantwortung zu übernehmen – sei es als Sportlerinnen, Trainerinnen oder Funktionärinnen. Frauen sollten selbstbewusst Verantwortung einfordern und mit ihren Erfahrungen und Kompetenzen das Vereinsleben bereichern. Dafür hat sich Erika Axthelm-Gattung mit Leidenschaft und Energie eingesetzt und mit Ihrem Wirken aktiv zur Geschlechtergerechtigkeit im Thüringer Sport beigetragen.

Sie hat tragfähige Vereinsstrukturen aufgebaut, Kinder, Jugendliche und Erwachsene trainiert und sich für die Verbesserung der Infrastruktur im Sport stark gemacht.

Für diesen Einsatz ist der Freistaat Thüringen zu großem Dank verpflichtet.

 

Volker Blumentritt aus Jena wird für sein zwanzigjähriges ehrenamtliches Engagement als Ortsteilbürgermeister von Jena-Neulobeda mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er gehört zu den engagierten Kommunalpolitikern unseres Landes, die das Recht auf Wohnen und das Recht auf Stadt für alle Schichten verwirklichen wollen.

Dass sich Neulobeda nach 1990 nicht zum sozialen Brennpunkt entwickelte wie andere Großsiedlungen in ganz Deutschland, sondern zu einem lebendigen Stadtviertel mit hoher Lebensqualität, das verdanken wir nicht zuletzt der Tatkraft und dem Ideenreichtum von Volker Blumentritt. Auch wenn in Neulobeda die hohe Wohndichte, die wenigen Freiflächen und eine unzureichende Infrastruktur Abwanderung und soziale Entmischung in den Jahren nach 1990 begünstigten, ist es in Jena in vorbildlicher Weise gelungen, eine starke räumliche Polarisierung zu verhindern. Volker Blumentritt stellte dafür weitsichtig und klug die Weichen – als Ortsteilbürgermeister, Stadtratsmitglied und Bundestagsabgeordneter.

Unermüdlich setzte er sich für eine Stadtentwicklungspolitik ein, die nicht nur die Aufwertung der Innenstadt zum Ziel hatte, sondern auch die Lebensqualität peripherer Wohngebiete durch Umbau, Sanierung und Neubau stärkte. Sein zentrales Anliegen war und ist, dass in Neulobeda Menschen aus unterschiedlichen kulturellen, ökonomischen und ethnischen Milieus nah beieinander wohnen und dabei materielle Sicherheit sowie soziale und kulturelle Einbindung genießen können.

Dass seit der Wiedervereinigung rund 3,5 Milliarden Euro in Neulobeda investiert wurden, dass der Stadtteil heute über eine hervorragende Infrastruktur für 24.000 Menschen verfügt, die 13.000 sanierte Wohnungen umfasst, darüber hinaus zahlreiche Bildungseinrichtungen, Grünanlagen, Freizeitangebote, Handel und Gewerbe, Gesundheitszentren und öffentlichen Nahverkehr – das ist ein auch Verdienst Volker Blumentritts. Gemeinsam mit vielen Akteuren im Ortsteilrat und  im Stadtrat, in den Wohnungsunternehmen, sozialen Einrichtungen, Bildungs- und Kulturinstitutionen, bei Arbeitgebern und Investoren gelang ihm die Aufwertung eines Stadtteils, der selbstbewusst das architektonische Erbe zeitloser Sachlichkeit präsentiert und Wohnraum für alle bietet. Dass Stillstand in Neulobeda undenkbar ist, hat viel mit Volker Blumentritt zu tun. Unzählige Projekte hat er initiiert, viele weitere sind noch geplant.

Glaubwürdige Politik braucht zuverlässige Politiker, bei denen Wort und Tat im Einklang stehen. Volker Blumentritt verkörpert den engagierten und klugen Bürgermeister, der weite Wege für seine Kommune geht und jeder Zeit ansprechbar ist.

 

Jürgen Hauskeller aus Altenburg erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für sein politisches Wirken in der Wendezeit und für sein Engagement im Kongo. Mit seiner christlichen Grundorientierung setzt er sich mit Wort und Tat für Mitmenschlichkeit und Solidarität ein – in Thüringen und weit über die Grenzen unseres Landes hinaus.

Jürgen Hauskeller war einer der Protagonisten der friedlichen Revolution in Sondershausen, die entscheidende Impulse für die demokratische Erneuerung der Gesellschaft gaben. Lange vor dem Herbst 1989 machte er sich bereits offen für gesellschaftliche Veränderungen, für politische Freiheit und Mündigkeit des Einzelnen stark. Als evangelischer Pfarrer wirkte er zunächst in verschiedenen Gemeinden unseres Landes und zuletzt in Sondershausen/Stockhausen. Es war ihm ein besonderes Anliegen, jungen Menschen einen Weg zum Glauben zu eröffnen. Seine Band- und Chorprojekte wurden in Sondershausen so erfolgreich, dass er ins Visier der Staatssicherheit geriet. Doch selbst die Androhung von Inhaftierung hinderte Jürgen Hauskeller nicht daran, all denen in der Kirche einen geschützten Raum anzubieten, die für politische Veränderungen in der DDR eintraten.

Im Herbst 1989 organisierte er die erste Demonstration in Sondershausen und setzte sich immer wieder für gewaltfreie Proteste ein. Jürgen Hauskeller prägte entscheidend den Verlauf der Friedlichen Revolution, indem er die Konstituierung des Demokratischen Aufbruchs und der SDP unter dem Dach seines Pfarrhauses ermöglichte und dem Runden Tisch in Sondershausen angehörte. Nach 1990 setzte er sein politisches Engagement für die Demokratie als Mitglied des Kreistages fort.

Für Jürgen Hauskeller bedeutet mündiges Christ-Sein auch globale Probleme in den Blick zu nehmen. Ein langer Aufenthalt in der Demokratischen Republik Kongo mit seiner Frau ermutigte ihn, einen eigenen Beitrag für die Verbesserung der dortigen Lebensverhältnisse zu leisten. Das Ehepaar gründete in Altenburg den Verein „Hilfe für die Menschen im Kongo“, der Kinder unterstützt, die unter unwürdigen Bedingungen auf der Straße oder in armen Familien am Rande des Existenzminimums leben müssen. Aus eigener Tasche und mit Spendengeldern errichtete das Ehepaar Hauskeller innerhalb weniger Jahre zwei Waisenhäuser für Mädchen sowie eine Schule, die mittlerweile 450 Kinder aus armen Familien besuchen. Im Aufbau befinden sich eine Vorschule sowie ein Gesundheitszentrum, das zur Senkung der hohen Müttersterblichkeit der Region beitragen soll.

Von Jürgen Hauskeller kann unser Land lernen, dass ethische Maximen und praktisches Handeln zusammengehören. Mit unbeugsamem Willen stand und steht er für seine Überzeugungen ein. Das gilt insbesondere für die Rechte anderer Menschen, von Armen und Machtlosen. Gemeinsam mit seiner Frau sorgt er dafür, dass auch unser kleines Land Thüringen einen Beitrag zu Humanität und Mitmenschlichkeit auf globaler Ebene leistet.

 

Dr. Felicitas Marwinski und Dr. Konrad Marwinski aus Weimar werden mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt. Das zentrale Thema ihres beruflichen und ehrenamtlichen Wirkens ist die Bewahrung, Vermittlung und Aufarbeitung der schriftlichen Überlieferungen, die sich in den Bibliotheken unseres Landes befinden.

Beide waren von Beruf Bibliothekare und sind bis heute anerkannte Wissenschaftler auf dem Gebiet der Regionalgeschichte.

Dr. Felicitas Marwinski widmete ihre wissenschaftliche Arbeit der Erforschung der Lese- und Gelehrtengesellschaften in Thüringen. Das von ihr initiierte und herausgegebene Kompendium „Lebenswege in Thüringen“ gehört zu den verdienstvollen Initiativen, historische Persönlichkeiten der mitteldeutschen Geschichte zu würdigen.

Darüber hinaus ist ihrem Engagement ein gestärktes Bewusstsein für die große Vielfalt historischer Buchbestände in Thüringen zu verdanken. So arbeitete sie am „Handbuch der historischen Buchbestände der Bundesrepublik Deutschland“ und leistete wichtige Kärrnerarbeit bei der Erschließung und Erforschung der Thüringer Bibliotheken. Außerdem koordinierte sie als verantwortliche Redakteurin in den 90-er Jahren die Aufarbeitung der Bestände in 156 Bibliotheken, die über 1,8 Millionen Bücher verfügten.

Zusammen mit ihrem Ehemann widmete sie große Aufmerksamkeit der Erforschung von weniger bekannten, aber nicht minder bedeutenden historischen Bibliotheken in Thüringen. Dazu zählen  Kirchenbibliotheken in Römhild, Pößneck und Sondershausen und erforschten die Bibliotheksgeschichten in Schmalkalden, Frankenhausen, Großenhain, Erfurt und Jena. Dank dieser minutiösen Arbeiten haben wir heute einen guten Überblick über die Vielfalt der Thüringer Bibliothekslandschaft und den dort verwahrten kulturellen Reichtum.

Dr. Konrad Marwinski war über viele Jahre als Direktor der Universitäts- und Landesbibliothek Jena tätig und gewährleistete in dieser Funktion die Literaturversorgung einer traditionsreichen Volluniversität. Seine Kenntnis der umfangreichen Bestände und facettenreichen Sammlungsgeschichte machte ihn zu einem anerkannten Partner der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität.

Zusätzlich arbeitete Dr. Marwinski ehrenamtlich in verschiedenen Gremien, Vereinen und Kommissionen mit. Aus wissenschaftlichem Interesse trieb er die Wiederbelebung der brachliegenden Regionalgeschichtsforschung voran.

Es war ihm ein Herzensanliegen, der Öffentlichkeit über ein breites Themenspektrum historische Reflexionen zu ermöglichen, ohne die es keine aufgeklärte, weltoffene Heimatliebe geben kann. Dafür gründete er den „Verein für Thüringische Geschichte“ mit, der historische Forschung von der Archäologie bis zur Zeitgeschichte in Thüringen betreibt.

Neben der langjährigen Leitung des Vereins wirkte er auch als Vorsitzender der Historischen Kommission für Thüringen, die insbesondere die Grundlagenforschung fördert und  wichtige Vernetzungsarbeit zwischen Wissenschaft und Laienforschern leistet.

Zur Vielfalt der Regionalgeschichtsforschung trug Dr. Marwinski auch durch zahlreiche Publikationen bei, die seinen Anspruch verdeutlichen, vielschichtige historische Prozesse als Bestandteil des Wissens um die eigene Geschichte im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

 

Martin Warmuth aus Zeulenroda-Triebes erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Er gehört zu den Menschen in unserem Land, die sich aktiv für Inklusion und gegen Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung einsetzen. Er kämpft dafür, dass der Artikel 3 unseres Grundgesetzes mit Leben erfüllt wird.

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“ – diese Verantwortung sieht Martin Warmuth nicht nur in den Händen der Politik, der Stadtplanung oder der Pädagoginnen und Pädagogen. Für ihn ist Inklusion ein Lernprozess für die Gesellschaft, der sich für alle lohnt. Ein Prozess, in dem der einzelne Mensch mit Behinderung an Freiheit und die Gesellschaft an Vielfalt dazugewinnt.

Martin Warmuth hat im Beruf wie im Ehrenamt viel dafür getan, seine Heimatstadt Zeulenroda zum Vorbild für andere Städte und Gemeinden im Hinblick auf Barrierefreiheit zu machen. Als Rollstuhlfahrer machte er aus seinem Handicap einen Beruf mit großem sozialen Mehrwert. Sein Familienunternehmen, ein Autohaus, spezialisierte sich auf das Ausrüsten von Behindertentransportfahrzeugen und Umrüstungen für Selbstfahrer. Diese Arbeit versteht er seit mehr als 25 Jahren als Beitrag, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen Mobilität und damit ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Über sein politisches Engagement in der Stadtverordnetenversammlung, im Stadtrat und Kreistag wirkte Martin Warmuth darauf hin, bestehende Benachteiligungen für Menschen mit Behinderungen zu beseitigen und Barrieren abzubauen, was in Zeulenroda an vielen Stellen vorbildlich gelang. Als langjähriges Mitglied des Landesbehindertenrates arbeitet er daran, den Anspruch von Menschen mit Behinderungen auf ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben, auf Teilhabe an Sport, Kultur, Bildung und Arbeit umzusetzen.

Auch auf anderen Gebieten bewirkte Martin Warmuth viel Gutes. Sein Engagement für Verkehrssicherheit, für Ausbildung und Fachkräfteförderung sowie für die Integration von Flüchtlingen ist vorbildlich. Insgesamt hat Martin Warmutz großen Anteil daran, dass Thüringen ein fürsorgliches und verantwortungsbewusstes Land ist. Er hat viele Entwicklungen im Bereich der Barrierefreiheit angestoßen, zahlreiche Hürden aus dem Weg geräumt.

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