Konzept PÜMaS

Das Professionelle Übergangsmanagement für Inhaftierte und Haftentlassene (PÜMaS) in Thüringern trägt dazu bei, passgenaue Versorgungsleistungen für Gefangene und Haftentlassene unter Berücksichtigung des individuellen Hilfebedarfs zu entwickeln und diese nach der Entlassung weiter zu begleiten, Ergebnisse vollzugsinterner Behandlungs-, Erziehungs- und Fördermaßnahmen für die Klienten mit den Angeboten der externen Netzwerkpartner zu verknüpfen, welche für die Resozialisierung und Wiedereingliederung nach Haftentlassung förderlich sind. Die Arbeit im Übergangsmanagement erfolgt vernetzend und ressourcenorientiert auf der Grundlage eines individuellen Hilfe-/Förder- und Zeitplans angelehnt an die Methoden des Case Managements.

Das Übergangsmanagement erfordert die systematische Schaffung und Pflege von organisationsübergreifenden Förderketten zur erfolgreichen Wiedereingliederung von Inhaftierten im beschriebenen Zeitraum.

In PÜMaS werden jugendliche, heranwachsende und erwachsene Inhaftierte / Haftentlassene betreut, die eine Freiheitsstrafe, eine Ersatzfreiheitstrafe verbüßen oder eine längere Untersuchungshaft verbüßt haben und die nach Ende der Haft nicht durch die Sozialen Dienste in der Justiz oder das vollzugliche Projekt B.I.S.S. weiter begleitet werden.

Mit PÜMaS ist seit dem Jahr 2016 eine Versorgungslücke für Inhaftierte /Haftentlassene geschlossen, die bis dahin ohne nachgehende Unterstützung in Freiheit entlassen wurden. Gerade am Übergang und in der ersten Zeit nach der Haft besteht allerdings ein großer Hilfebedarf, da häufig die bestehenden sozialen Gefüge, wie Wohnraum, Beschäftigung und familiäre Anbindungen im Haftverlauf verloren gegangen sind. Bei kurzen Haftzeiten ist es dem Sozialen Dienste im Vollzug kaum möglich, die häufig multiplen Problemlagen aufzuarbeiten. Aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlagen und mangelnder personeller Ressourcen scheidet eine Nachbetreuung durch die Sozialen Dienste in der Justiz für diese Klientel ebenfalls aus. Somit besteht ein erhöhtes Risiko der weiteren Verschlechterung der Lebenssituation nach der Haft, was häufig zu erneuter Straffälligkeit führt.

Die Teilnahme an PÜMaS ist freiwillig.

In Abstimmung mit den Sozialen Diensten im Vollzug erfolgt eine umfassende Entlassungsvorbereitung der Inhaftierten. Hier soll die Grundlage für einen nahtlosen Übergang zwischen dem geregelten Alltag im Justizvollzug in ein eher selbstbestimmtes Leben ohne Delinquenz in Freiheit gelegt werden. Die Nachbetreuung der dann Haftentlassenen stellt einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit in PÜMaS dar. Die Dauer der Betreuung umfasst maximal ein Jahr. Aus der Teilnahme am PÜMaS kann der Gefangene/Haftentlassene keinen Anspruch, bspw. auf Vermittlung von Wohnraum, Arbeit usw., ableiten.

Der Aufgabenbereich des Resozialisierungsmanagers umfasst die Vorbereitung auf die anstehende Entlassung. Dies umfasst in der Einzelfallhilfe mindestens:

  • Auf Grundlage einer individuellen Problem- und Ressourcenanalyse, einer fachlichen Einschätzung der Gesamtsituation, der Einschätzung durch den Klienten sowie der Einschätzung durch Dritte, passgenaue und auf den Einzelfall abgestimmte Hilfen im Sinne des Case Managements zu entwickeln.
  • Das Fehlen eines festen Wohnsitzes erschwert das Stellen von Anträgen auf staatliche Unterstützung besonders. Im Rahmen von PÜMaS ist auf Unterstützungsnetzwerke im sozialen Raum zurückzugreifen. Die Vernetzung mit Wohnungsunternehmen und Nachsorgeeinrichtungen sowie Betreuten Wohnformen sollte unter Berücksichtigung des sozialen Umfeldes sichergestellt werden, damit der Gefangene nach der Entlassung eine Unterkunft hat und nicht nur „unterkommt“ (deliktpräventiver Ansatz). Sofern erforderlich, werden Bewerbungssituationen und Kommunikation geschult und geprobt, die Rechte und Pflichten von Mietern vermittelt sowie Hinweisen zum Führen eines Haushaltes gegeben.
  • Im Zusammenhang mit Arbeit/Ausbildung oder beruflicher/schulischer Qualifizierung prüft die zuständige PÜMaS-Managerin die vorhandenen Ressourcen des Gefangenen, ermittelt den notwendigen Hilfebedarf und unterstützt anschließend bei der Vermittlung durch die Agentur für Arbeit, das Jobcenter und weitere berufliche Träger oder Personalvermittlungen. Sofern erforderlich, werden Bewerbungssituationen geprobt und die Erstellung von Unterlagen unterstützt.

Hinweis: Eingegangene Integrationsvereinbarungen für die berufliche Eingliederung durch das Projekt B.I.S.S. genießen Vorrang. Nach Absprache zwischen dem B.I.S.S.-Integrationsmanagement und der PÜMaS-Managerin sind Teilvereinbarungen für die übrigen Aufgabenkreise des Projektes möglich und im Jugendstrafvollzug ausdrücklich gewünscht.

  • Innerhalb von PÜMaS ist zu prüfen, ob die Ressourcen im sozialen Empfangsraum für ein förderliches soziales Netzwerk (wieder-)hergestellt werden können/müssen. Die Arbeit mit Angehörigen ist angezeigt.
  • Innerhalb des Projektes ist darauf zu achten, dass die Ressourcen des Gefangenen optimal herausgearbeitet und entsprechen gefördert und genutzt werden. Der Gefangene ist bei allen auftretenden Fragen (Hilfe bei Antragstellungen und Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter (SGB II, III, XII), Meldewesen, Fortführung von in der Haft begonnenen Maßnahmen (Anbindung an Suchthilfe, Schuldnerberatung u. a.) bedarfsgerecht zu beraten und zu unterstützen.
  • Die Fortführung bereits begonnener gesundheitsförderlicher Maßnahmen sowie Suchtbehandlungen sind zu unterstützen.
  • Soweit keine Dritte Person zur Verfügung steht, ist der Klient - sein Einverständnis vorausgesetzt - am Entlassungstag möglichst von der Vollzugsanstalt an seinen Wohnort zu begleiten.

Diese Aspekte sollen mit dem Ziel der intrinsischen Motivation und Befähigung zu eigenständigem Handeln und zu selbstverantwortlicher Lebensführung verbunden sein.

Nach der Entlassung des Gefangen aus der Vollzugsanstalt ist eine enge, persönliche und motivierende Betreuung des Haftentlassenen zu gewährleisten. Gerade in den ersten Tagen nach der Entlassung treten Schwierigkeiten und Herausforderungen auf, die über die weitere möglichst straffreie Entwicklung des Entlassenen entscheiden. Daher ist es notwendig, die bereits in der Entlassungsvorbereitung erarbeiteten Ziele und Vereinbarungen nahtlos weiter zu verfolgen. Die Durchführung von Besuchen im häuslichen Umfeld, die Unterstützung bei Behördengängen oder der regelmäßige soziale Kontakt sind hierfür unerlässlich. Der begonnene Hilfeprozess ist an die Gegebenheiten, nach der Entlassung anzupassen. Dies erfolgt immer in Abstimmung mit dem Haftentlassenen.

PÜMaS verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Haftentlassene können daher auch in anderen Fragen zum Zwecke der alltäglichen Lebensbewältigung um Unterstützung bitten. Eine Beschränkung auf die in der Entlassungsvorbereitung erarbeiteten Zielvorgaben erfolgt nicht. Es ist die Aufgabe der PÜMaS-Managerin, den Haftentlassenen in allen Belangen des Alltages beratend zur Seite zu stehen.

Die PÜMaS-Managerin bespricht in den letzten sechs Wochen vor der Beendigung der Betreuung mit dem Haftentlassenen die erreichten Ziele und welche noch einer weiteren Unterstützung durch Netzwerkpartner bedürfen, Sofern Netzwerkpartner beteiligt werden, erfolgt ein gemeinsames Gespräch zwischen Haftentlassenen, die PÜMaS-Managerin und dem Netzwerkpartner zur Übergabe und Zieldefinition.

 

PÜMaS Förderrichtlinie - Stand 15.12.2017 (47.6 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

PÜMaS-Konzept - Stand 28.02.2018 (71.1 kB)
PDF-Dokument ist nicht barrierefrei.

Wegweiser

Aktionen

Thueringen Monitor Klein www.bildungsfreistellung.de Logo Schöffenwahlen 2018 Kampagne Wegweiser Wir sind Energie-Gewinner.

Serviceportal – Bürger

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Unternehmen

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Serviceportal – Weitere

Services im Zuständigkeitsfinder suchen

Servicebereich

Publikationen