18.09.2018
Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie

Medieninformation 194

IAB-Betriebspanel: gut ausgebildete und motivierte Beschäftigte nur bei guten Arbeitsbedingungen


Die Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner (DIE LINKE), hat heute dem Kabinett das aktuelle „IAB-Betriebspanel – Länderbericht Thüringen“ vorgestellt. Die Studie hatte im Jahr 2017 die Themen „Geflüchtete Personen“ und „Nutzung digitaler Informations- und Kommunikationstechnologien im Kontext von Digitalisierung und Arbeit 4.0“ als Schwerpunkte. Mit dem Bericht liegen repräsentative Ergebnisse zur Entwicklung der Beschäftigung und des Arbeits- und Ausbildungsmarktes in Thüringen in einer nunmehr langen Zeitreihe vor.

Arbeitsministerin Werner sagte: „Die Befunde des IAB-Betriebspanels 2017 zeigen, dass es uns in Thüringen durchaus gelingen kann, die neuen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt zu bewältigen, wenn für die Beschäftigten „Gute Arbeit“ angeboten wird. Unternehmen, die gute Arbeitsbedingungen schaffen, haben auch die besten Chancen auf gut ausgebildete und motivierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dazu gehört auch die Tarifbindung und ein Betriebsrat! Ich sehe den Rückgang der Tarifbindung als deutliche Gefahr für die bewährte Sozialpartnerschaft und werde das Thema deshalb in der wieder aufgelegten regelmäßigen Gesprächsrunde mit Wirtschaft und Gewerkschaften ansprechen.“

Zu ausgewählten Ergebnissen des „IAB-Betriebspanels – Länderbericht Thüringen 2017“:

Gesamtentwicklung
Die Gesamtentwicklung auf dem Thüringer Arbeitsmarkt ist nach wie vor positiv. Die Beschäftigung steigt, die Arbeitslosigkeit sinkt. Im August 2018 lag die Arbeitslosenquote in Thüringen bei 5,4 Prozent und damit nur noch 0,2 Prozentpunkte über der Quote von Deutschland insgesamt. Der Rahmen für die weitere Entwicklung und die notwendigen Weichenstellungen wird vor allem von den demografischen Veränderungen abgesteckt. Diese gehen einher mit einer Verringerung der Gesamtbevölkerung, mit einem stark zurückgehenden Erwerbspersonenpotential und mit einer immer größer werdenden Zahl von älteren Menschen. Ganz aktuell kommt noch die Integration der geflüchteten Menschen sowie der Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt hinzu.

Betriebsgrößenstruktur
In Thüringen entfallen etwas mehr als zwei Drittel der Betriebe auf sogenannte Kleinstbetriebe, d. h. auf Betriebe mit maximal neun Beschäftigten. Lediglich ein Prozent sind Großbetriebe ab 250 Beschäftigte. Ein Drittel der Betriebe in Thüringen entfällt auf die Branchen „Handel und Reparatur“ sowie „unternehmensnahe Dienstleistungen“.

Löhne und Gehälter
Vollzeitbeschäftigte in Thüringen erzielten 2017 im Monat durchschnittlich 2.540 Euro brutto. Die Beschäftigten in Thüringen erhalten damit rund ein Viertel weniger als Beschäftigte in westdeutschen Betrieben.

Tarifbindung
Die Tarifbindung in Thüringen schwächte sich auch 2017 weiter ab. In keinem Jahr seit Beginn der Erhebungen waren weniger Betriebe tariflich gebunden. Im Jahr 2017 waren nur 18 Prozent der Unternehmen tariflich gebunden, was einen Rückgang um vier Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Insgesamt deckte die Tarifbindung 43 Prozent der Beschäftigten in Thüringen ab.

Fachkräftebedarf
Der demografische Wandel wird immer stärker spürbar. Der Bedarf der Betriebe an Fachkräften ist weiterhin hoch. Bis 2030 werden im Freistaat rund 345.000 neue Arbeitskräfte gebraucht. Der Ersatzbedarf für altersbedingte Renteneintritte der Beschäftigten wird voraussichtlich 272.200 betragen, der Erweiterungsbedarf rund 72.400. Bei der Deckung des Fachkräftebedarfs ist das IAB-Betriebspanel eine sehr gute Basis und eine wichtige Entscheidungshilfe.

Ausbildung
Ein deutliches Indiz für eine Veränderung in den letzten Jahren ist der deutliche Anstieg der Übernahmequoten. Im Jahr 2000 lag die Übernahmequote in Thüringen bei 43 Prozent, 2017 waren es 66 Prozent. Das verbleibende Drittel hat aufgrund des Fachkräftebedarfs gute Chancen, sich in einem anderen Betrieb zu bewerben und auch angestellt zu werden. In mehr als zwei Dritteln aller Betriebe in Thüringen gibt es inzwischen ausschließlich Arbeitsplätze für Personen mit einer beruflichen oder akademischen Ausbildung (Ostdeutschland: 64 Prozent, Westdeutschland: 44).

Beschäftigung geflüchteter Menschen
Vier Prozent aller Betriebe in Thüringen hatten 2017 zumindest zeitweise mindestens einen geflüchteten Menschen beschäftigt oder beschäftigen ihn noch (Ostdeutschland: 3 Prozent, Westdeutschland: 6). Es ist davon auszugehen, dass der Anteil 2018 zugenommen hat, da auch die Beschäftigungszahl geflüchteter Menschen seit dem Vorjahr gewachsen ist. Bei fast drei Vierteln der Betriebe, die geflüchtete Menschen beschäftigen, handelt es sich um Kleinst- und Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Geflüchtete Menschen wurden überwiegend für Tätigkeiten eingestellt, die keine Berufsausbildung erfordern (84 Prozent). Auf Stellen, für die eine abgeschlossene Berufsausbildung bzw. entsprechende Berufserfahrungen notwendig waren, arbeiteten 14 Prozent der beschäftigten geflüchteten Menschen, 2 Prozent hatten Arbeitsplätze, die einen akademischen Abschluss voraussetzten. Bei Qualifizierung und Ausbildung – gerade auch in der Dualen Berufsausbildung – ist hier also noch viel Potenzial vorhanden. In Thüringen sind derzeit insgesamt über 35.000 ausländische Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stand Dezember 2017).

Digitalisierung
Je größer ein Betrieb ist, umso intensiver ist die Technologienutzung.
Programmgesteuerte Produktionsmittel sowie Vernetzung finden in Großbetrieben gegenüber Kleinstbetrieben um ein Vielfaches häufiger Anwendung. Der Einsatz digitaler Technologien geht mit zahlreichen Veränderungen im Arbeitsalltag der Beschäftigten einher. Es verändern sich die Arbeitsinhalte: 38 Prozent der Betriebe gehen von einer Zunahme der Aufgabenvielfalt, 30 Prozent von einer Zunahme der parallel zu erledigenden Tätigkeiten und 25 Prozent von einer höheren Komplexität der Arbeitsaufgaben aus. Zugleich konstatiert fast die Hälfte aller Betriebe einen erhöhten Weiterbildungsbedarf. Der Einsatz sozialer Netzwerke für die Personalrekrutierung stellt für Kleinstbetriebe noch eine Ausnahme dar (6 Prozent), demgegenüber werden diese inzwischen bereits von der Mehrheit der Großbetriebe genutzt (64 Prozent). Mit 77 Prozent nutzt die Mehrheit der Betriebe in Thüringen inzwischen einen Hochgeschwindigkeits-Internet-anschluss (Breitbandanschlüsse wie beispielsweise DSL, UMTS oder LTE), in Ostdeutschland sind es 72 Prozent, in Westdeutschland: 75.

Hintergrund:
Auf der Basis des IAB-Betriebspanels lässt die Landesregierung jährlich – aktuell zum 22. Mal – auch einen Länderbericht Thüringen erstellen. Grundlage ist eine vom Thüringer Arbeitsministerium finanzierte Aufstockungsstichprobe.
Mit dem Begriff „Panel“ wird in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ein weitgehend gleichbleibender Kreis von Personen, Organisationen oder in diesem Fall Unternehmen bezeichnet, bei denen über einen längeren Zeitraum hinweg Befragungen mit der gleichen Methode und zu gleichen Themen vorgenommen werden.
Mit dem „IAB-Betriebspanel – Länderbericht Thüringen“ liegen repräsentative Ergebnisse zur Entwicklung von Beschäftigung und Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Thüringen vor. Der Länderbericht enthält. neben den jährlich dargestellten Themen wie etwa Fachkräftebedarf, betriebliche Weiterbildung und Tarifbindung in jedem Jahr auch thematische Schwerpunkte.
Die Ergebnisse der Betriebsbefragung in Thüringen wurden erneut vom Forschungsinstitut SÖSTRA (Berlin) ausgewertet.

https://www.thueringen.de/mam/th7/tmsfg/arbeit/iab_betriebspanel_2017.pdf

18.09.2018

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